Wie der Hase zu Ostern kam – Ursprung und Bedeutung eines Brauchs

Der Osterhase gehört zu Ostern, wie der Weihnachtsmann zu Weihnachten. Man kann kaum an das eine denken, ohne das andere vor Augen zu haben. Ob in Schokoladenform in den Regalen, oder als Motiv auf den Eiern. Und ab und an kann man ihn auch herumhoppeln sehen, wenn er gerade dabei ist, die Eier zu verstecken. Doch wieso ausgerechnet ein Hase und nicht ein anderes Tier? Als Säugetier ist dieser noch nicht einmal dazu in der Lage, Eier zu produzieren. Also woher kommt das Bild vom eierversteckenden Osterhasen und wieso ist es geblieben und hat andere Vorstellungen verdrängt?
Woher kommt der Osterhase?
Es gibt mehrere Theorien, wie der Osterhase dazu kam, die Eier zu verstecken. Eine Theorie besagt, dass er ein misslungenes Gebäck war. Früher war es üblich, Brot und Kuchen in Form von Lämmern zu Ostern zu backen. Eines dieser Osterlämmer soll sich beim Backen so verformt haben, dass es wie ein Hase aussah (Kaufmann, 2021).
Eine weitere Theorie, wie der Hase zu Ostern kam, hängt mit der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara zusammen. Von ihr leitet sich auch der Name Ostern für das Auferstehungsfest ab und die Hasen galten als ihre Boten (Ndr, 2022).
Auch seit dem 18. Jahrhundert war das Dreihasenbild ein beliebtes Motiv zum Bemalen von Ostereiern. Es handelt sich dabei um drei Hasen, die kreisförmig angeordnet sind und jeweils ein Ohr zu zwei Hasen gehört. Das Dreihasenbild stand lange für die göttliche Dreieinigkeit oder auch Trinität genannt. Da das Bild als Ostereischmuck viel Verwendung fand, zog man daraus den Schluss, dass die abgebildeten Hasen auch die Eier brächten (Kaufmann, 2021).
Die Tradition der Eiersuche ist schon viel älter als die Symbolik des Osterhasen. Schon seit dem 12. Jahrhundert wurden bei der sogenannten Eierweihe die Eier erst gesegnet und dann vergraben, um die Fruchtbarkeit und das Wachstum zu fördern und vor Unwettern zu schützen. Wenn dann nach einem kalten Winter die Hasen nahe zu den Menschen kamen, könnte man meinen, diese hätten die Eier versteckt (Vivat! Magazin, 2025).
Der Hase galt in der byzantinischen Tier-Symbolik als Symbol der Auferstehung und auch für Jesus Christus. Weil er keine Augenlider hat, schläft der Hase mit offenen Augen. So wacht er, wie auch Christus über die Seinen wacht (Vivat! Magazin, 2025). Bis ins 19. Jahrhundert war der Hase als Eierbringer in vielen Teilen Deutschlands noch unbekannt. Erst durch die Spielzeug- und Süßwarenindustrie wurde er verbreitet (Wikipedia, 2003). Dadurch wurden frühere Überbringer der Ostereier verdrängt. Durch deutschsprachige Auswanderer verbreitete sich der Osterhase auch außerhalb Europas, auch wenn man ihn im englischen als Easter Bunny, also wörtlich als Oster-Kaninchen bezeichnet, und nicht als Easter Hare, was die wörtliche Übersetzung von Osterhase wäre (mdr, 2024).
Warum ein Hase zu Ostern und kein anderes Tier?
Neben den oben genannten Theorien, wie der Osterhase dazu kam, an Ostern die Eier zu verstecken, ergibt sich der Hase als Symbol für Ostern auch aus seinem natürlichen Verhalten heraus. Der Feldhase versteckt sich oft reglos im Gras und wartet bis zum allerletzten Moment, um aufzuspringen und weg zu hoppeln. Das hinterlassene eingedrückte Gras wurde dann als Eiablage interpretiert (Kaufmann, 2021).
Der Hase gilt auch seit Jahrhunderten als Fruchtbarkeitssymbol. Er ist einer der Ersten, der im Frühling Nachwuchs bekommt und das nicht zu knapp. Die Häsinnen sind oft mit mehreren Jungen in verschiedenen Entwicklungsstadien trächtig und können in einem Jahr bis zu 20 Jungtiere bekommen. Damit steht er symbolisch auch für das Leben, was ebenfalls auf die Auferstehung verweist. Schon der Heilige Ambrosius von Mailand (339–397) deutete den Schneehasen als Symbol für Verwandlung und Auferstehung, weil dieser die Farbe seines Fells wechseln konnte (Vivat! Magazin, 2025).
In anderen Regionen, wie etwa in der Schweiz, galt bis ins 19. Jahrhundert der Kuckuck als Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen der Storch und in Böhmen brachte der Hahn die Ostereier. Ein weiterer Osterglaube bestand darin, dass die Kirchenglocken am Gründonnerstag nach Rom fliegen und bei ihrer Rückkehr in der Osternacht die Eier mitbrachten.
Was glaubt ihr, wer die Eier bringt? Ist es vielleicht bei euch ein ganz anderer Brauch, oder ist es der klassische Osterhase? Und wenn ja, wieso gehört er für euch zu Ostern?
Quellen und weiterführende Informationen
Kaufmann, S. (2021). Ostern: Osterhase. Planet Wissen. https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/ostern/der-osterhase-100.html#:~:text=der%20Osterhase%20solche%20Eier%20lege,angeblich%20gesundheitliche%20Sch%C3%A4den%20verursachen%20sollte (12.02.2025)
mdr. (2024). Ostersymbole | Was Osterei, Osterhase und Osterfeuer bedeuten. MDR.DE. https://www.mdr.de/religion/ostersymbole-was-ei-hase-feuer-bedeuten-102.html#:~:text=Und%20wo%20kommt%20jetzt%20der,wie%20Christus%20%C3%BCber%20die%20Seinen (12.02.2025)
Ndr. (2022). Ostersymbole: Was bedeuten Hasen, Eier, Lämmer und Feuer? NDR.de – Ratgeber. https://www.ndr.de/ratgeber/Ostersymbole-Was-bedeuten-Hasen-Eier-Laemmer-und-Feuer,ostersymbole100.html#:~:text=Der%20Hase%20ist%20seit%20Jahrhunderten,germanischen%20Fr%C3%BChlings-%20und%20Fruchtbarkeitsg%C3%B6ttin%20Ostara (12.02.2025)
Vivat! Magazin. (2025). Osterhase: Bedeutung & Herkunft.
https://www.vivat.de/magazin/jahreskreis/ostern/osterhase-bedeutung-herkunft/#:~:text=Herkunft%20des%20Osterhasen,-Wie%20kommt%20der&text=In%20der%20byzantinischen%20Tiersymbolik%20bezeichnet,wie%20Christus%20%C3%BCber%20die%20Seinen (12.02.2025)
Wikipedia. (2003). Osterhase.
https://de.wikipedia.org/wiki/Osterhase (12.02.2025)




