Partizipation in Kinder- und Jugendmedien

Warum Partizipation für junge Menschen so wichtig ist.
Medien, die junge Menschen ansprechen sollen, sind besonders dann wertvoll, wenn sie Kindern und Jugendlichen die notwendigen Informationen vermitteln, um ihnen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene Orientierung zu bieten und sie idealerweise dazu zu emanzipieren, sich eigene Meinungen zu bilden und diese zu vertreten. Denn auch Kinder und Jugendliche möchten über das aktuelle Weltgeschehen informiert sein und daran teilhaben (SCHAU HIN!, o.D.).
Die eigene Meinung und das Recht, diese zu äußern, stehen in engem Zusammenhang mit dem Kindeswohl und Partizipation: Um entscheiden zu können, was im besten Interesse des Kindes ist, müssen die Meinung und der Wille des Kindes angehört werden (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2015). Nicht um sonst ist das Recht auf Partizipation zentraler Bestandteil der UN-Kinderrechtskonvention. Hier festgeschrieben ist in Artikel 12 zur Berücksichtigung des Kindeswillen:
“(1) Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.
(2) Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden.” (unicef, o.D.)
Damit Kinder und Jugendliche auch in der breiten Gesellschaft gehört werden, braucht es Plattformen, die ihre Stimmen sichtbar machen und ernst nehmen (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2015)
Was bedeutet eigentlich Partizipation?
Aber was bedeutet eigentlich Partizipation? Das Lexikon der Entwicklungspolitik führt in ihrer Begriffsdefinition das Wort auf seinen lateinischen Ursprung „particeps“, also „teilnehmend“, zurück. Es stehe für Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung oder Einbeziehung. Partizipation beschreibt damit die aktive und maßgebliche Beteiligung von Menschen und Organisationen an Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, und ermöglicht es den beteiligten Zielgruppen, ihre Interessen zu formulieren und wirksam einzubringen. In dieser Form der Beteiligung enthalten ist zudem, dass Menschen ihre eigene Lebensrealität, Erfahrungen und Werte in Entscheidungsprozesse einfließen lassen (bmz, o.D.). Damit Partizipation funktioniert, bedarf es der Einbeziehung aller Beteiligten und damit auch der Bereitschaft zu Kompromissen für gemeinsame Entscheidungsfindungen (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2015).
Dem Recht von Kindern auf Mitentscheidung wird häufig das Argument entgegengestellt, dass aufgrund der fehlenden Reife junger Menschen eine Gefährdung des Kindeswohls bestehe. Jedoch sind das Wohl des Kindes und dessen Freiheit zur Meinungsäußerung und Teilhabe keine Gegensätze: Es ist vielmehr eine Grundvoraussetzung, den Willen des Kindes anzuhören, um Entscheidungen in seinem Sinne zu treffen. Im Zusammenhang mit Kinderrechten wird „Reife“ als die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen verstanden, ihre Meinung zu Angelegenheiten, die sie betreffen, in einer vernünftigen und unabhängigen Weise zu äußern. Dies schließt auch Formen der Meinungsäußerung über Gestik und Mimik mit ein. Somit ist grundsätzlich erst einmal jedes Kind und jede*r Jugendliche dazu befähigt, seine bzw. ihre Meinung und seinen bzw. ihren Willen zu äußern (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2015).
Partizipation in Kinder- und Jugendmedien – ein Beispiel.
Wie junge Menschen an der Entwicklung von Medien beteiligt werden können, zeigen die Magazine Kinderstark und Teensstark. Die beiden Zeitschriften richten sich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren sowie an Jugendliche ab dreizehn Jahren. Auf ihren Seiten behandeln sie unter anderem Themen wie Diskriminierung, Vielfalt, Rassismus und Diversität. Das Teensstark-Magazin legt zudem einen besonders starken Fokus auf Selbstliebe und Achtsamkeit (Heine, 2025).
In den Interviews werden, anders als bei klassischen Teenagermagazinen, nicht Stars abgebildet, sondern Kinder- und Jugendliche selbst. Dadurch übernehmen sie eine positive Vorbildfunktion und schaffen für die Leserschaft Identifikationsräume. Mit dem Anspruch auf eine differenzierte Behandlung ihrer Inhalte werden in den Magazinen zahlreiche Themen aufgegriffen, denen Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswelt begegnen. Von Sport, Glauben oder Mehrsprachigkeit bis hin zu einem Kummerkasten, der von einer Sexualpädagogin betreut wird, sind eine Bandbreite an vielfältigen Inhalten geboten. Mit den Artikeln werden Plattformen geschaffen, in denen junge Menschen ihre Geschichten, Gedanken und Sichtweisen selbst erzählen können. Vorurteilsfrei und authentisch (Heine, 2025). Die Zeitschriften leben von der aktiven mitgestaltung ihrer Zielgruppe und rufen auch dazu auf Fragen zu stellen, Themen vorzuschlagen und selbst Beiträge schreiben (TEENSTARK MAGAZIN, o. D.) Partizipation ist nicht nur ein Teil der beiden Zeitschriften, sondern macht diese aus. Auf der Webseite des Kinderstark-Magazins benennen die beiden Herausgeberinnen Anika Heine und Sarah Heine die Handlungsfähigkeit von Kindern als zentrales Anliegen und Leitmotiv des Magazins. Es brauche Kinder die “die Vorteile von Vielfalt kennen und nutzen und sich gegen Diskriminierung wehren können. Kinder, die wissen, dass sie perfekt sind, wie sie sind, und selbstbewusst und stark ihre Einzigartigkeit und ihr Potenzial leben.” (KINDERSTARK MAGAZIN, o. D.)
Fazit
Partizipation ermächtigt Kinder, ihre Meinung zu äußern, gehört zu werden und sich an Entscheidungen zu beteiligen, die ihr Leben betreffen. Gleichzeitig ermöglicht sie Erwachsenen, möglichst differenzierte Entscheidungen unter Berücksichtigung der Perspektiven und Bedürfnisse von Kindern zu treffen. Werden partizipative Ansätze auch in Kinder- und Jugendmedien eingesetzt, ergibt sich nicht allein die Chance, Inhalte zu gestalten, die Kinder besonders ansprechen, sondern auch Kinder und Jugendliche selbst authentisch und in ihrer Vielfalt zu repräsentieren.
Quellen und weiterführende Informationen
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (bmz) (o. D.). Partizipation. In Lexikon der Entwicklungspolitik. https://www.bmz.de/de/service/lexikon#lexicon=14752 [21.01.26]
Deutsches Institut für Menschenrechte. (2015). Menschenrechte – Materialien für die Bildungsarbeit. Modul 5: Kinderrechte und Partizipation. https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/Menschenrechtsbildung/Materialen_fuer_die_Bildungsarbeit/Materialien_Bildungsarbeit_Modul_5_Kinderrechte_und_Partizipation.pdf [21.01.26]
Heine, A (2025). „Wir schaffen einen Raum zur Partizipation“. Lesen in Deutschland. https://www.lesen-in-deutschland.de/journal/wir-schaffen-einen-raum-zur-partizipation-1969 [21.01.26]
KINDERSTARK MAGAZIN (o. D.). Über uns. https://www.kinderstark-magazin.de/ueber-uns/ [22.01.26]
SCHAU HIN! (o. D.). Partizipation und Medien: Mitmachen und Informieren. https://www.schau-hin.info/grundlagen/partizipation-und-medien [21.01.26]
TEENSTARK MAGAZIN (o. D.). Teenstark Magazin. Das Jugendmagazin für mehr Vielfalt und Empowerment. https://www.teenstark-magazin.de/ [22.01.26]unicef (o. D.). Die UN-Kinderrechtskonvention. Regelwerk zum Schutz der Kinder weltweit. https://www.unicef.de/informieren/ueber-uns/fuer-kinderrechte/un-kinderrechtskonvention [21.01.26]




