Die Kraft guter Moderation: Wie sie Kinder stärken kann

In einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft kommt der Moderation eine Schlüsselrolle zu – nicht nur im journalistischen, sondern auch im pädagogischen Sinne. Als Vermittlungsleistung macht sie komplexe Inhalte zugänglich, fördert Orientierung und schafft Vertrauen. Besonders für Kinder und Jugendliche – eine vulnerable Zielgruppe mit wachsender Mediennutzung – ist es zentral, dass Informationen nicht nur verfügbar, sondern auch verständlich, empathisch und kindgerecht moderiert werden.
Mehr als Präsentation: Moderation als Bildungsauftrag
Moderation leistet damit weit mehr als reine Inhaltspräsentation. Sie wirkt in Meinungsbildungsprozesse hinein, kann zur Demokratieförderung beitragen sowie kritisches Denken und Medienverständnis fördern (Medienpädagogik und Demokratie, 2025).
Dies betrifft nicht nur journalistische Formate, sondern ebenso Sach- und Lernmedien, die Kindern strukturierte Zugänge zu Weltwissen und Gesellschaft ermöglichen – etwa durch Formate wie Wieso? Weshalb? Warum?
Moderation als Antwort auf Vertrauenskrise und Desinformation
Moderation wirkt nachhaltig, wenn sie junge Zielgruppen nicht nur informiert, sondern ihnen das Verstehen erleichtert. Sie sollte Bedeutung aufzeigen, Fragen zulassen und gesellschaftliche Zusammenhänge greifbar machen. Gerade in Zeiten zunehmender Desinformation und unter Druck geratener demokratischer Werte ist das besonders wichtig. (Leibniz HBI, 2025; Medienpädagogik und Demokratie, 2025).Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2025 bleibt das Vertrauen in Nachrichten in Deutschland vergleichsweise hoch – insbesondere öffentlich-rechtliche Angebote und Lokalzeitungen genießen hohe Glaubwürdigkeit. Interessant ist auch, dass Nachrichten von Menschen deutlich vertrauenswürdiger eingestuft werden als KI-generierte Inhalte.
Dennoch geben 71 % der erwachsenen Internetnutzer*innen an, mindestens gelegentlich aktiv Nachrichten zu vermeiden – ein Hinweis darauf, dass viele sich von Informationsflut, Tonalität oder fehlender Relevanz überfordert fühlen. Umso wichtiger ist eine Moderation, die Orientierung gibt, emotional erreichbar bleibt und Inhalte verständlich sowie ansprechend vermittelt (Deutschlandfunk, 2025; Leibniz HBI, 2025).
Impulse aus dem Werkstattgespräch
Diese Zusammenhänge wurden auch beim Werkstattgespräch der Hochschule der Medien (HdM) thematisiert. Dort diskutierten Willi Weidel, Yasmin M’Bareck und Ingo Zamperoni gemeinsam, wie zeitgemäße Moderation gelingen kann – im Spannungsfeld zwischen journalistischer Sorgfaltspflicht, Kürze der Beiträge und zielgruppengerechter Ansprache. Besonders der Ansatz, empathisch und auf Augenhöhe zu kommunizieren, wurde dabei hervorgehoben (Werkstattgespräch HdM, 2025). Formate wie Willi wills wissen gelten dabei als Positivbeispiel: Moderator Willi Weitzel begegnet Kindern nicht belehrend, sondern fragend, neugierig und partizipativ – er macht sich mit ihnen gemeinsam auf den Weg, Inhalte zu verstehen und damit Sinn zu stiften (Fernsehen – Willi Weitzel, o. D.; HdM Werkstattgespräch, 2025).
Was kindgerechte Moderation auszeichnet
Kindgerechte Moderation verlangt die gleichen professionellen Standards wie jede journalistische Tätigkeit: gründliche Recherche, präzise Gesprächsführung, spontane Reaktion auf Situationen sowie ein hohes Maß an Verantwortung (Medienpädagogik und Demokratie, 2025).
Dabei müssen komplexe Inhalte so aufbereitet werden, dass sie für Kinder verständlich, interessant und nachvollziehbar sind – ohne sie so stark zu vereinfachen, dass ihre Aussage verfälscht wird (Bildung, 2013).
Kinder gehören zu den besonders schutzbedürftigen Zielgruppen. Das verlangt von Moderator*innen besondere Sensibilität – nicht nur im Umgang mit Sprache und Ton, sondern auch im Umgang mit Unsicherheiten, Ängsten oder Missverständnissen (Plädoyer für Mehr Medienkompetenz und Demokratiebildung, 2025).
In Zeiten, in denen Kinder früh mit Desinformation, Angstthemen und radikalen Narrativen konfrontiert werden, braucht es Formate, die Halt geben, Orientierung schaffen und positive Zugänge zu gesellschaftlichen Themen ermöglichen (Leibniz HBI, 2025; Medienpädagogik und Demokratie, 2025).
Gute Moderator*innen wählen ihre Worte bewusst, vermeiden Klischees oder stereotype Bilder und nutzen Sprache, um Perspektiven zu öffnen statt einzuengen. Wertschätzende, klare und zugewandte Sprache fördert Vertrauen, Verständnis und Selbstwirksamkeit. Sie übernehmen damit nicht nur sprachlich, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung (Deutschlandfunk, 2025; Werkstattgespräch HdM, 2025).
Vom Fragesteller zum Vermittler – das Beispiel Willi Weitzel
Kaum eine Moderationsfigur wirkt so authentisch, locker und kindgerecht wie Willi Weitzel. Er vereint Spaß, Humor und Ernsthaftigkeit und findet so den richtigen Ton für Jung und Alt.
Erfolgreiche Moderator*innen wie Willi Weitzel zeigen, wie das gelingt: durch echtes Interesse, neugierige Fragen und eine dialogische Haltung auf Augenhöhe. Sie stellen nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern das Thema und lassen dabei Raum für (kindliches) Staunen und Mitdenken. Weitzels Moderation ist geprägt von ehrlichem Interesse und echter Neugier – er fragt nicht „für“ Kinder, sondern „mit“ ihnen. Dabei nimmt er kindliche Lebenswelten ernst, begegnet seinem Gegenüber mit Empathie und tritt weder belehrend noch herablassend auf (Fernsehen – Willi Weitzel, o. D.; HdM Werkstattgespräch, 2025).
Sein Ansatz folgt einem pädagogischen Prinzip, bei dem Kinder die Welt durch Fragen erschließen können. Anstatt vorgefertigte Antworten zu liefern, eröffnet er Erfahrungsräume und lädt Kinder zum gemeinsamen Erkunden ein. So wird er zum Vermittler zwischen Lebenswelten – nahbar, verständlich und glaubwürdig. Dieses Konzept ist nicht nur informativ, sondern stärkt auch das aktive Mitdenken der jungen Zuschauer*innen. Anerkennung erhält dieses Konzept etwa durch Auszeichnungen wie das Comenius-Siegel für seine Unterrichtsreihe „Willi macht Schule“, die anspruchsvolle Themen altersgerecht aufbereitet (Fernsehen – Willi Weitzel, o. D.).Auch andere Kindermedien setzen auf dieses dialogische Prinzip – etwa die Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum?, die Kindern ermöglicht, eigene Fragen zu stellen und systematisch Wissen aufzubauen. Dabei werden Inhalte strukturiert, visuell ansprechend und alltagsnah aufbereitet – ein Modell, das zeigt, wie mediale Vermittlung kindliche Neugier aufgreift und in Bildungsprozesse überführt. (Ravensburger, o. D.).
Zwischen Haltung und Zurückhaltung: zwei Beispiele gelungener Moderation
Moderation ist nicht gleich Moderation. Neben Willi Weitzels kindgerechter Vermittlung zeigen auch andere Formate, wie vielfältig Moderation in Abhängigkeit von Zielgruppe, Kontext und Medium gestaltet sein kann (HdM Werkstattgespräch, 2025; Medienpädagogik und Demokratie, 2025).
Yasmin M’Barek verkörpert eine Moderationsform, die meinungsstark und zugleich reflektiert ist. Sie verbindet eine klare Haltung mit politischer Analyse, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Ihr Stil ist subjektiv, aber nicht belehrend. Empathie ist für sie keine Schwäche, sondern Voraussetzung für Pointierung: Wer Haltung zeigt, muss Lernräume öffnen, Widerspruch zulassen und eigene Unsicherheiten aushalten. Ihre Sprache ist präzise, zugänglich und direkt – mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die Verantwortung der Wortwahl, gerade in Zeiten digitaler Polarisierung (HdM Werkstattgespräch, 2025).
Ingo Zamperoni repräsentiert einen anderen Moderationsstil: sachlich, verbindlich und zugleich menschlich nahbar. Als Moderator der ARD-Tagesthemen ist seine Rolle stark von journalistischer Sorgfalt und Vertrauensbildung geprägt – besonders in Krisenzeiten. Sein Moderationsstil ist zurückhaltend, aber präsent: Durch Timing, gezielten Nachfragen und feinem Gespür für Stimmungen schafft er Raum für andere Sichtweisen, ohne die Gesprächsführung zu verlieren. Seine Haltung ist geprägt von Demut und Professionalität – „sich selbst nicht zu wichtig nehmen“ lautet sein Credo (HdM Werkstattgespräch, 2025). Vertrauen entsteht für ihn nicht durch das Hervorheben eigener Meinungen, sondern durch eine sorgfältige Arbeitsweise und das Ziel, dem Publikum fundierte Einsichten durch Fakten zu ermöglichen.
Fazit: Moderation als Bildungs- und Demokratieaufgabe
Gute Moderation kann Kinder dabei unterstützen, eigene Meinungen zu entwickeln, durch einen dialogischen, empathischen und bildenden Ansatz. Sie schafft Räume, in denen junge Rezipient*innen nicht nur informiert werden, sondern auch in ihrer Medienkompetenz, Selbstwirksamkeit und Teilhabe gestärkt werden (Medienpädagogik und Demokratie, 2025). Dabei ist es entscheidend, kindgerechte Moderation als verantwortungsvolle Vermittlung zu verstehen, die Kinderschutz, Beteiligung und eine differenzierte Meinungsbildung fördert.
Gleichzeitig wird deutlich, dass unterschiedliche Zielgruppen, Themen und Kontexte unterschiedliche Moderationsstile erfordern. Kinder brauchen vor allem Nähe, Sicherheit und eine Ansprache auf Augenhöhe. Politische Analyse verlangt Haltung und verständliche Sprache, während Nachrichtenmoderation Seriosität, Glaubwürdigkeit und klare Struktur voraussetzt (HdM Werkstattgespräch, 2025). Was alle eint: Gute Moderator*innen geben Orientierung – nicht durch Selbstdarstellung, sondern durch Haltung, Offenheit und ein bewusstes Verantwortungsgefühl für die Wirkung ihrer Worte.
Diese Vielfalt an Moderationsstilen zeigt auch, wie wichtig unterschiedliche Plattformen und Formate sind – ob klassisches Fernsehen oder digitale Kanäle wie TikTok – oder die Rolle starke Vorbilder, die als glaubwürdige Vermittler*innen fungieren.
Besonders bemerkenswert: Laut Digital News Report 2025 ist für 43 % der Befragten in Deutschland das lineare Fernsehen nach wie vor die wichtigste Nachrichtenquelle – direkt gefolgt vom Internet (42 %). Dies unterstreicht die anhaltende Relevanz klassischer, moderierter Formate für Orientierung und Vertrauen (Deutschlandfunk, 2025; Leibniz HBI, 2025).
So kann Moderation früh Demokratiekompetenz fördern und junge Menschen befähigen, sich aktiv und kritisch mit ihrem gesellschaftlichen Kontext auseinanderzusetzen.
Auch die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) betont dies in ihrem Plädoyer an die Politik: Sie fordert eine nachhaltige Förderung von Medienkompetenz und Demokratiebildung – in Bildungsinstitutionen wie auch durch qualitätsvolle mediale Angebote (Plädoyer für Mehr Medienkompetenz und Demokratiebildung, 2025).
Übrigens: Das Werkstattgespräch ist ab dem 11.07.2025 auch als Podcast bei SprichStuttgart zum Nachhören verfügbar. Hört gerne rein – es lohnt sich.
Quellen und weiterführende Informationen
Bildung, B. F. P. (2013, 29. November). Kinder schlau machen – Kindermedien in Deutschland. bpb.de. Abgerufen am 7. Juli 2025, von https://www.bpb.de/die-bpb/presse/174378/kinder-schlau-machen-kindermedien-in-deutschland/
deutschlandfunk.de. (2025, 16. Mai). Zwischen Anspruch und Angebot: Wie nah sind Medien am Publikum? Deutschlandfunk. Abgerufen am 1. Juli 2025, von https://www.deutschlandfunk.de/zwischen-anspruch-und-angebot-wie-nah-sind-medien-an-ihrem-publikum-100.html
Fernsehen – Willi Weitzel. (o. D.). Abgerufen am 7. Juli 2025, von https://www.williweitzel.com/de/film-und-fernsehen/fernsehen/
Hochschule der Medien. (2025, Juli 27). Werkstattgespräch 2025: Zukunft der Moderation (Episode 132) [Audio-Podcast-Episode]. SprichStuttgart. https://sprichstuttgart.de (erscheint am 11.07.2025)
Leibniz HBI. (2025, 24. Juni). Deutsche Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2025“ – Leibniz Institut für Medienforschung | Leibniz Institute for Media Research. Leibniz Institut für Medienforschung | Leibniz Institute For Media Research. Abgerufen am 1. Juli 2025, von https://leibniz-hbi.de/hbi-news/presseinfo/deutsche-ergebnisse-des-reuters-institute-digital-news-report-2025/
Medienpädagogik und Demokratie: Live auf der Mitgliederversammlung des JFF e. v. (R. Schwab, T. Sulzmann & G. Weitzmann; Folge 84). (2025, 15. Mai). In Spotify. Mehr Merz. Abgerufen am 7. Juli 2025, von https://open.spotify.com/episode/0S5e3AhIuJHtqb3AhhGnT4?si=29b91f9a484a4667
Plädoyer für mehr Medienkompetenz und Demokratiebildung (R. Fries; Folge 81). (2025, 27. Februar). In Spotify. Mehr Merz. Abgerufen am 7. Juli 2025, von https://open.spotify.com/episode/44vFDhTdmwKPqnC7ucnaE6?si=9ea5b23572474a0a
Ravensburger. (o. D.). Wieso? weshalb? warum? Abgerufen am 7. Juli 2025, von https://www.ravensburger.de/de-DE/entdecken/wieso-weshalb-warum#Konzept




