REPRÄSENTATION IN KINDERMEDIEN UND DIE ZENSUR IN AMERIKA

WAS IST REPRÄSENTATION UND WIE WIRD SIE MOMENTAN IN AMERIKA GEHANDHABT?
Ob Bücher, Filme oder Serien: Kindermedien hinterlassen tiefgreifende, oft lebenslange biografische Spuren. Dabei ist die individuelle Erinnerung an spezifische Formate meist stark emotional und nostalgisch besetzt.
Kindermedien spielen eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung von gesellschaftlichen Normen, Werten und sozialen Realitäten. Sie fungieren als prägende Faktoren der Identitätsbildung. Insbesondere die Identifikation mit Mediencharakteren – sei es durch die Projektion eigener Eigenschaften oder die Orientierung an Vorbildern – unterstützt Kinder maßgeblich bei der eigenen Verortung innerhalb der Gesellschaft. Dieses Vorleben von vielfältigen Lebensrealitäten, sowie das eigene Wiedererkennen in diesen nennt sich Repräsentation. Kindern wird dadurch aufgezeigt, welche Lebensrealitäten überhaupt möglich und inwiefern diese in der Gesellschaft verankert sind.
Ein Beispiel bewusst eingesetzter fehlender Repräsentation ist die momentane Zensur in Amerika. Medien über die LGBTQ+ Community oder den Feminismus werden bewusst zensiert, um diese möglichen Lebensrealitäten kaum bis gar nicht zu repräsentieren. Warum ist diese Zensur jedoch problematisch? Und weshalb ist Repräsentation in Kindermedien überhaupt wichtig?
WARUM IST REPRÄSENTATION WICHTIG?
Wie oben bereits angeschnitten, vermittelt Repräsentation gesellschaftliche Normen und Werte (Affolter & Sperisen, 2023). Sie zeigt mögliche Lebensrealitäten auf und wie diese in der Gesellschaft verortet sind. Besonders Normalität und Anderssein wird über Repräsentation definiert (Affolter & Sperisen, 2023). Es ist somit nicht nur wichtig zu betrachten, ob etwas repräsentiert wird, sondern auch wie etwas repräsentiert wird. Diese Werte werden nicht nur durch einmalige Konfrontation, sondern durch immer wiederkehrende Konfrontation gebildet (Heller, 2025).
Somit erweitert Repräsentation den Denkhorizont der Kinder, dabei ist nicht wichtig, ob sie in die Darstellung miteinbezogen werden oder nicht (Affolter & Sperisen, 2023). Zudem lernen sie mehr über ihre eigene Identität und die anderer (Heller, 2025). Ein Kind kann schließlich nichts sein, was es nicht kennt – aber will es auch etwas sein, was in der Gesellschaft als anders deklariert wird (Heller, 2025)?
BEISPIELE IM SCHULISCHEN UND PRIVATEM KONTEXT
Dabei verfolgt der Versuch dieser Sozialisierung durch Repräsentation, die Kinder vom schulischen bis in den privaten Lebensbereich.
Im schulischen Kontext spielen die Lehrmittel eine maßgebliche Rolle. Die Darstellungen in diesen können Kinder als Normal oder Anders deklarieren und den Umgang mit ebendiesen Kindern – sowohl von Lehrer:innen als auch von anderen Kindern – verändern. Zudem können dadurch ebenfalls positive als auch negative Erfahrungen initiiert werden. (Affolter & Sperisen, 2023)
Im privaten Kontext ist Repräsentation ebenfalls in allen Medienarten, von Hörbüchern und Serien, bis hin zu Videospielen, vertreten. Besonders Videospiele sind dabei interessant zu betrachten. Hier ist die Repräsentation nicht wie im schulischen Kontext durch andere Instanzen festgelegt, sondern sie ist variierbar. Veränderbar durch die Nutzung ebendieses Mediums. Kinder können sich somit ausprobieren, sie können die eigene Lebensrealität nachbilden oder eine ganz neue schaffen und somit über Lebensrealitäten anderer lernen. (Heller, 2025)
Natürlich gibt es auch hier Grenzen und gewisse Versuche der Sozialisierung sind weiterhin vorhanden und prägend, jedoch bildet dieser Kontext eine größere Freiheit. Dies ist nicht in allen privaten Medien der Fall. Auch hier gibt es vorher festgelegte Repräsentationen zum Beispiel in Büchern oder Serien, die der Art der Repräsentation im schulischen Kontext stark ähneln.
BEZUG ZUR MOMENTANEN SITUATION IN AMERIKA
Betrachtet man das vorher Gelernte im Kontext von Amerika und der dortigen Zensur, ist nicht mehr schwer zu erraten, was die Regierung dadurch erreichen wollten. Expert:innen berichten, dass es seit 2022 so viele Zensurversuche in Bibliotheken als auch in Schulen gab wie noch nie (Oellig, 2023). Zudem gehen sie davon aus, dass einige Bücher ungemeldet entfernt werden (Oellig, 2023). Die momentane Regierung bildet sich größtenteils aus Republikanern. Diese sind gegen die Rechte der LGBTQ+ Community, sie streben ein konservatives Familienbild an und wollen auch das ebendieses in Amerika vorgelebt wird. Dementsprechend sind auch emanzipierte Frauen und der Feminismus nicht gerne gesehen.
Wie also wird es möglich, die nächste Generation erst gar nicht mit diesen Werten und Lebensrealitäten zu konfrontieren? Wie oben bereits erwähnt, Kinder können nichts sein, was sie nicht kennen. Die Schlussfolgerung lautet folgendermaßen: werden Bücher verboten, die mit den oben genannten Themen in Kontakt kommen, gibt es keine Repräsentation mehr von ebendiesen Themen und somit auch den Menschen und Lebensrealitäten. Sie werden gewissermaßen aus der Bildung gestrichen.
Das Problem hierbei ist, das im Vorhinein beschlossen wird, welche Repräsentationen Kinder in Büchern finden werden. Die Regierung bekommt dadurch die Möglichkeit zu entscheiden welche Bücher in ihrer Bildung und vorallem im Aufwachsen der Kinder Einfluss nehmen und dementsprechend auch welche Bücher auf die Kinder und deren Denken Einfluss nehmen. Kinder haben somit nicht mehr Zugriff zu allen Informationen und können sich ihre Meinung frei bilden, sondern sie bekommen eine vorgefertigte Auswahl an Büchern mit ausgewählten Meinungen und Informationen.
LITERATURVERZEICHNIS
Affolter, S., & Sperisen, V. (2023). Rassismus und Repräsentation gesellschaftlicher Diversität in Lehrmitteln. Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR.
Heller, S. (2025). Einmal queer gespielt: Über die Rolle der Repräsentation von LGBTQIA+-Identitäten im Videospiel (1st ed. 2025). Springer Fachmedien Wiesbaden.
Oellig, T. (2023). Aus den Regalen, aus dem Sinn. https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/vereinigte-staaten-von-amerika-buchzensur-rassismus-lgbti-amanda-gorman-aus-den-regalen-aus-dem-sinn





